
Was jetzt noch wächst: Wie Gärtner ihre Beete auf die Trockenheit einstellen
Wer in diesem Sommer mit der Gießkanne durch den eigenen Garten läuft, kennt das Problem: Der Rasen ist braun, die Erde staubtrocken und die Regentonne war schon vor Wochen leer. Das ist kein Einzelfall. Der Deutsche Wetterdienst meldete für Juli 2026 den fünften zu trockenen Monat in Folge. Besonders im Süden und Südwesten Deutschlands ist die Bodentrockenheit inzwischen so ausgeprägt wie in den bereits als Dürrejahre bekannten Sommern 2018 und 2022. Für Gärtner heißt das: Wer weiterhin ernten will, muss umdenken: Bei der Bodenpflege, bei der Sortenwahl und beim Zeitpunkt der Aussaat.
Der Boden ist die halbe Miete:
Bevor es um einzelne Pflanzenarten geht, richtet sich der Blick zuerst auf den Boden selbst. Ein humusreicher, mit organischem Material versorgter Boden speichert deutlich mehr Wasser als eine ausgelaugte, verdichtete Erde. Deshalb gilt: Beete möglichst dauerhaft bedecken, etwa mit einer zwei bis fünf Zentimeter dicken Mulchschicht aus Rasenschnitt, Stroh, Laub oder Holzhäckseln. Diese Schicht bremst die Verdunstung spürbar, denn auf gemulchten Flächen verdunstet etwa ein Drittel weniger Wasser als auf offenem Boden. Auch regelmäßige, dünne Kompostgaben verbessern die Wasserspeicherfähigkeit nachhaltig. Statt tief umzugraben, empfiehlt es sich den Boden nur oberflächlich zu lockern, damit die Bodenstruktur und das Bodenleben erhalten bleiben. Gründüngung, etwa mit Klee, erfüllt einen ähnlichen Zweck wie Mulch und reichert zusätzlich Nährstoffe an.
Folgende Gemüsearten kommen mit wenig Wasser aus:
Bei der Sortenwahl lohnt sich ein Blick auf Pflanzen, die von Natur aus tief wurzeln oder genügsam sind. Zu den bekannten und bewährten Gemüsearten, die mit heißeren, trockeneren Bedingungen vergleichsweise gut zurechtkommen, zählen etwa Rote Bete, Mangold und Knoblauch. Auch Hülsenfrüchte wie Kichererbsen und Linsen gelten als ausgesprochen trockenheitsverträglich, ebenso weniger bekannte Bohnenarten wie die Mondbohne oder die Kuhbohne. Wärmeliebende Arten aus dem Mittelmeerraum oder der asiatischen Küche, etwa Artischocken oder Pak Choi, profitieren zusätzlich von den insgesamt milderen, wärmeren Böden. In manchen Regionen lassen sich inzwischen sogar Wasser- und Zuckermelonen im Freiland kultivieren, was vor einigen Jahren hierzulande noch kaum möglich war.
Ein grundsätzlicher Hinweis: Wirklich trockenheitsresistentes Gemüse ist selten, denn die meisten Arten brauchen weiterhin ein Mindestmaß an Wasser. Wer den Wasserbedarf senken will, kommt daher nicht allein mit der Sortenwahl aus, sondern muss sie mit Bodenpflege und effizienter Bewässerung kombinieren, etwa über Tropfschläuche, die das Wasser gezielt an die Wurzel bringen anstatt es an der Oberfläche verdunsten zu lassen.
Mediterrane Gewächse wagen den Sprung nach Norden:
Ein auffälliger Trend in deutschen Gärten: Pflanzen, die früher nur im Kübel überwinterten oder als Exoten galten, wachsen zunehmend im Freiland. Mittlerweile gedeiht sogar die Chinesische Hanfpalme im Freien. Auch bestimmte Feigensorten überstehen deutsche Winter an geschützten Standorten.
Ganz unproblematisch ist dieser Trend allerdings nicht: Olivenbäume etwa vertragen zwar kurzzeitig Fröste bis etwa minus zehn Grad, reagieren aber empfindlich auf Temperaturschwankungen, winterliche Nässe und Spätfröste. Als halbwegs verlässlich winterhart gelten sie erst in Regionen, die milden Weinbauklimazonen ähneln: In Deutschland also allenfalls in besonders begünstigten Lagen, etwa an Rhein oder Mosel und meist nur mit zusätzlichem Winterschutz. Wer mediterrane Gewächse ausprobieren möchte, sollte deshalb auf einen sonnigen, windgeschützten Standort achten und junge Pflanzen in den ersten Jahren mit Vlies oder Mulch vor Frost schützen.
Auch der Zeitpunkt zählt:
Klimaangepasstes Gärtnern bedeutet nicht nur eine andere Sortenwahl, sondern auch eine andere Zeitplanung. Weil die Winter im Mittel milder geworden sind, empfiehlt es sich wasserintensive Kulturen stärker in die kühleren, meist regenreicheren Monate zu verlegen: Manche Gemüsearten lassen sich bereits im Herbst aussäen und überstehen leichte Kälteeinbrüche mit einer dünnen Abdeckung: Das spart Gießwasser und liefert oft eine frühere Ernte als die klassische Frühjahrsaussaat. Umgekehrt gilt für hitzeempfindliche Arten wie Salat oder Spinat: Früher säen, damit sie reifen, bevor die stärkste Sommerhitze einsetzt. Wärmeliebende Pflanzen wie Tomaten oder Paprika profitieren dagegen von einem späteren Pflanztermin.
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung:
Neben der Pflanzenwahl helfen einige einfache Kniffe, empfindliche Kulturen über heiße Phasen zu bringen: Junge Obstbäume mit heller Kalk-Weißanstrich vor Sonnenbrand an der Rinde schützen, Gemüse wie Tomaten, Gurken oder Salat mit leichten Schattiernetzen abschirmen und befestigte Wege möglichst wasserdurchlässig statt versiegelt anlegen, damit Regenwasser dort versickern kann, wo es fällt. Wer sein Regenwasser sammelt, sollte zudem darauf achten, dass der Boden vor dem Mulchen bereits gut durchfeuchtet ist: Im Idealfall bis in rund 30 Zentimeter Tiefe, damit die Mulchschicht die vorhandene Feuchtigkeit wirklich konserviert und nicht nur trockene Erde bedeckt.