Der naturnahe Garten: Igel herzlich willkommen

Veröffentlicht: 15. Dezember 2025

Die stacheligen Sympathieträger lieben unaufgeräumte Gärten.

Wer freut sich nicht, wenn ihm einer der stachelbewehrten Nachbarn über den Weg läuft. Igel sind Sympathieträger, trotzdem ist der Mensch sein größter Feind.

Igel nutzen strukturreiche Landschaften mit Hecken und Waldrändern als Lebensraum, in Städten sind sie oft in Gärten und Grünanlagen zu finden. Was Igel überhaupt nicht mögen, sind aufgeräumte Gärten und Parks, in denen es keine Verstecke, aber viel Kies und kurzgeschorenen Rasen gibt. Sie brauchen Versteckmöglichkeiten; Unterschlüpfe, wo sie ungestört sind.

Im Frühjahr ist Paarungszeit bei den Igeln. Die geräuschvollen Tiere fallen jetzt durch Fauchen, Keckern und Kreischen auf, wenn sie auf andere Artgenossen treffen. Die Jungtiere werden versteckt aufgezogen, die Stacheln der kleinen Igel sind noch sehr biegsam und weich. Das ändert sich mit dem Wachstum der Tiere. 6.000 bis 8.000 Stacheln haben ausgewachsene Igel, jeder wird von einem eigenen Muskel gehalten!

Das maximale Alter von wildlebenden Igeln liegt bei etwa sieben Jahren, die Jungtiersterblichkeit ist mit 80 Prozent sehr hoch. Wie viele Igel in Deutschland leben, ist derzeit noch unbekannt.

Der Wohlfühlgarten für den Igel ist ein ökologisch bewirtschafteter Garten mit vielen verschiedenen Kräutern, Gemüsesorten, Obststräuchern und Bäumen, vorzugsweise heimischer Herkunft. Solch ein Garten ist nicht nur igelfreundlich, sondern grundsätzlich förderlich für die Biodiversität, die so wichtig für unser aller Überleben ist.

Hier lässt sich für den Igel auch ein geeigneter Winterschlafplatz finden und einrichten. Bevorzugte Orte sind Komposthaufen, Holzstapel, Heckenbereiche, Blätter- und Reisighaufen. Da, wo solche für Igel extrem anziehende Orte zu finden sind, gibt es meist auch ausreichend Nahrung für sie. Denn dort wachsen die verschiedensten Wild- und Kulturpflanzen, die wiederum ihrerseits Insekten und Co. anlocken.

Die Stachelritter ernähren sich vor allen Dingen von tierischer Kost. Auf ihrem Speiseplan stehen Schnecken, Käfer, Tausendfüßer, Regenwürmer, Spinnen; auch Vogeleier und kleine Säugetiere. Der Igel hilft mit seinen Ernährungsgewohnheiten, den Garten von Schädlingen freizuhalten, da alles, was krabbelt und kriecht, sein Interesse erregt. Vegetarische Kost lässt er links liegen. Das überlieferte Bild vom Igel, der einen Apfel davonträgt, kann schon mal vorkommen, wenn ihn zufällig ein Apfel trifft. Der Igel wird aber stets tierische Nahrung vorziehen, da er sie besser verwerten kann. Sollte er vom Obst kosten, dann deshalb, weil dort kleine Maden oder andere Leckerbissen zu finden sind oder weil das angegorene Obst einen leichten Rausch verspricht. Viele Tiere fühlen sich davon angezogen. Das ist ganz natürlich. Und sollten sich doch einmal Schädlinge im Garten breitmachen, bitte nicht zur chemischen Keule greifen, sondern lieber die in einem früheren Beitrag beschriebenen Pflanzenstärkungsmittel wie Pflanzentees, -brühen und -jauchen ansetzen und nutzen. Möglicherweise eilt auch eine Igelmutter mit ihren Jungen herbei und vertilgt mit gesundem Appetit Schnecken, Raupen und Co.

Der Igel ist ein Kulturfolger. Er lebt häufig in der Nähe des Menschen. Bei Bedrohung rollt sich der Igel zusammen, das nützt ihm leider nichts, wenn er Straßen überquert. Straßen werden dem Stachelritter vielfach zum Verhängnis. Er bewegt sich langsam über die Fahrbahn und sieht die Gefahr nicht.

Was können wir also tun? Zuerst sollten alle, die mit dem Auto unterwegs sind, in Gartenanlagen und angrenzenden Straßen vorsichtig fahren. Vor allem im Herbst auf der Suche nach geeigneten Winterquartieren verenden viele Igel auf unseren Straßen. Als Gartenbesitzer können Sie Strukturen schaffen, die Igel lieben: Hecken anpflanzen, Laubhaufen als Winterquartier liegenlassen, im Sommer Wasserschalen aufstellen und auf den Gifteinsatz verzichten. Vielleicht lässt sich so das eine oder andere Igelleben verlängern.